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Haltung

Allgemeines

Wenn man sich die Lebensweise von Papageien in freier Natur vor Augen führt, so kann man daran gut erkennen, welche Voraussetzungen bestehen müssen, um die Tiere einigermaßen artgerecht in menschlicher Obhut zu halten. Natürlich bedeutet das nicht, dass Sie sich jetzt einen kleinen Schwarm Papageien kaufen und diesen danach umgehend in die "freie Wildbahn" entlassen sollten. Dem Grundbedürfnis der Vögel nach einem Zusammenleben mit Artgenossen, nach genügend Freiflugraum, nach Licht und frischer Luft sowie entsprechender Luftfeuchtigkeit und nach abwechslungsreicher Ernährung muss jedoch Rechnung getragen werden, damit sie sich wohlfühlen können.

Paarhaltung

Alle Papageien leben in ihren ursprünglichen Lebensräumen außerhalb der Brutzeit in kleineren Familienverbänden bis hin zu sehr großen Schwärmen zusammen. Dieser Schwarm hat zum einen eine soziale Funktion, zum anderen verschafft er dem einzelnen Tier Sicherheit, weshalb es sich - zumal bei fehlendem Sichtkontakt - durch laute Rufe der Anwesenheit der anderen Tiere versichert. Hinzu kommt die sehr enge Bindung an den einmal erwählten Partner, die meist lebenslang eingegangen wird.

Dies sollte sich jeder vor Augen halten, wenn er die Überlegung anstellt, einen Papagei allein zu halten. Wenn der Mensch zum Schwarm- bzw. Partnerersatz wird, kann das Bedürfnis des Vogels nach ständigem Sozialkontakt (jahrzehntelang und 24 Stunden am Tag) unmöglich befriedigt werden, weshalb sich die arteigenen Kontaktrufe bei Abwesenheit des Menschen mit Einsetzen der Geschlechtsreife der Vögel nicht selten zum Dauerschreien steigern. Dauerschreier sind somit nicht Tiere mit einem "Charakterfehler", sondern werden vom Menschen durch nicht artgerechte Haltung erst erzeugt. Dass eine Einzelhaltung eine schlechte Haltung ist, kann man auch an den vielen verhaltensgestörten Papageien sehen, die sich selbst rupfen - und zum überwiegenden Teil lebenslang nicht mehr davon ablassen, auch wenn sie nachträglich noch Artgenossen zugeführt bekommen.

Da in den meisten Fällen zur Gruppenhaltung nicht genügend Platz zur Verfügung steht, ist es empfehlenswert, zwei Vögel anzuschaffen, die sich bereits beim Züchter (oder auch beim Händler) als Paar zusammengefunden haben. Es ist nämlich nicht ganz einfach, Papageien zu verpaaren, da sie in ihrer Partnerwahl durchaus sehr wählerisch sind und - nicht anders als beim Menschen - recht große individuelle Zu-und Abneigungen bestehen.

Das immer wieder gern gebrauchte Argument, dass ein einzeln gehaltenes Tier dem Menschen gegenüber zahmer und zutraulicher wird, gehört ins Reich der Märchen. Wir halten keinen unserer "privaten" Papageien einzeln, sondern alle Tiere sind verpaart oder leben im Schwarm, und sämtliche Vögel sind dem Menschen ausgesprochen zugewandt, handzahm, spielfreudig und zudem sehr ausgeglichen. Die Tiere, die sprechen gelernt haben, "unterhalten" sich (zu unserer Erheiterung) nicht selten in Menschensprache miteinander.

Volieren

Bei der Auswahl des Käfigs bzw. der Voliere muss natürlich in erster Linie die Größe der gehaltenen Papageien berücksichtigt werden. Es leuchtet sicherlich jedem ein, dass die kleinen Agaporniden in Volieren geringeren Ausmaßes gehalten werden können als z.B. Aras mit ihrer großen Flügelspannweite. Und dass Vögel fliegen müssen, um gesund zu bleiben, versteht sich von selbst!

Einen Anhaltswert bietet hier das "Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien" vom 10. Januar 1995. Es kann auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eingesehen werden. Bezüglich Käfig-/Volierengrößen ist dort folgendes verzeichnet:

  Gesamtlänge der Vögel Volierenmaße Länge/Breite/Höhe Schutzraum-
grundfläche
Sittiche bis 25 cm 1,0 x 0,5 x 0,5 m 0,5 m²
über 25 bis 40 cm 2,0 x 1,0 x 1,0 m 1,0 m²
über 40 cm 3,0 x 1,0 x 2,0 m 2,0 m²
Kurz-
schwänzige Papageien
bis 25 cm 1,0 x 0,5 x 0,5 m 0,5 m²
über 25 bis 40 cm 2,0 x 1,0 x 1,0 m 1,0 m²
über 40 cm 3,0 x 1,0 x 2,0 m 2,0 m²
Aras bis 40 cm 2,0 x 1,0 x 1,5 m 1,0 m²
über 40 bis 60 cm 3,0 x 1,0 x 2,0 m 1,0 m²
über 60 cm 4,0 x 2,0 x 2,0 m 2,0 m²
Loris bis 20 cm 1,0 x 0,5 x 0,5 m 0,5 m²
über 20 cm 2,0 x 1,0 x 1,0 m 1,0 m²

Natürlich handelt es sich hierbei um absolute Mindestgrößen, wobei die einzelnen Bundesländer diese Mindestgrößen durchaus nach oben korrigiert haben können. In Niedersachsen sind zum Beispiel bei Einzel- und Paarhaltung folgende Volierenmaße vorgeschrieben (je weiteres gehaltenes Paar sind sie um 50% zu erweitern):

  Gesamtlänge der Vögel Volierenmaße Länge/Breite/Höhe Schutzraum-
grundfläche
Sittiche bis 40 cm 3,0 x 1,5 x 2,0 m 1,0 m²
über 40 cm 4,0 x 2,0 x 2,0 m 2,0 m²
Kurz-
schwänzige Papageien
bis 25 cm 3,0 x 1,5 x 2,0 m 1,0 m²
über 25 bis 40 cm 4,0 x 2,0 x 2,0 m 1,0 m²
über 40 cm 6,0 x 3,0 x 2,5 m 2,0 m²
Aras bis 60 cm 4,0 x 2,0 x 2,0 m 1,0 m²
über 60 cm 6,0 x 3,0 x 2,5 m 2,0 m²
Loris alle Loris 3,0 x 1,5 x 2,0 m 1,0 m²

Auskunft über die für Ihre Papageien gültigen Volierenmindestmaße und sämtliche zu beachtende weitere Einzelheiten gibt das zuständige Landesministerium bzw. der für Ihren Wohnort zuständige Amtstierarzt.

Da von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich verfahren wird, können wir an dieser Stelle nicht sämtliche Einzelheiten aufführen. Es sollte jedoch verdeutlicht werden, dass die gängige Vorstellung, einen Graupapagei in einem (das Wohnzimmer zierenden) kleinen runden Käfig eingesperrt halten zu können, durchaus gegen geltendes Recht verstößt - von ethischen Gesichtspunkten einmal ganz abgesehen. Ausnahmen gelten nur für die vorübergehende Haltung von Papageien in Zoogeschäften.

Nach wie vor gilt: Je größer die Volieren sind, desto wohler werden sich Ihre Tiere fühlen! Ideal ist natürlich eine große Außenvoliere in Verbindung mit einer etwas kleineren Innenvoliere (unsere Ara-Außenvoliere hat z.B. die Abmessungen 7,0 x 3,50 x 2,50 m, die Innenvoliere 6,0 x 2,0 x 2,50 m). Für Graupapageien, kleine Kakadus, Mohrenkopfpapageien u.ä. können die Abmessungen entsprechend kleiner gehalten sein (also etwa 3,00 x 2,00 x 2,00 m), für Agaporniden natürlich noch kleiner.

Sollte der in Ihrer Wohnung zur Verfügung stehende Platz derartige Volierenabmessungen nicht zulassen, ist die Gewährung von täglich mehrstündigem Freiflug unabdingbar (!), doch auch, wenn Sie Ihren Tieren große Volieren zur Verfügung stellen können, sollte ab und an Freiflug möglich sein. Sollten Sie dagegen die Tiere ausschließlich in Außenvolieren halten wollen, so muss ein beheizbarer Schutzraum vorhanden sein.

Voliereneinrichtung

Natürlich müssen die Volieren auch "eingerichtet" werden, um den Papageien Möglichkeiten zum Klettern, Nagen und Spielen zu geben. Hierzu eignen sich Baumwurzeln, dicke und dünne Naturäste, dicken Taue und anderes Beschäftigungsmaterial, wie z.B. Holzspielzeug (wobei darauf geachtet werden muss, dass dieses mit Lebensmittelfarbe gefärbt wurde und keine giftigen Holzschutzmittel enthält). Auch ein Katalog oder ein Telefonbuch leisten hier gute Dienste. Das die "Einrichtung" öfter einmal verändert und erneuert werden sollte, versteht sich von selbst.

Zur Voliereneinrichtung gehören natürlich auch eine ausreichende Anzahl an Edelstahl- oder Keramiknäpfen für Futter und Wasser sowie - zumindest zeitweise - ein flaches Badebecken. Daneben werden sanfte Duschen mit lauwarmem Wasser aus einer Pflanzenspritze meist sehr genossen. Dass all diese Behältnisse täglich mindestens einmal gründlich gereinigt werden müssen, versteht sich von selbst.

Licht, Luft und Luftfeuchtigkeit.

Auch wenn Papageien viel Licht benötigen, darf eine Voliere nicht so aufgestellt werden, dass die Vögel täglich stundenlang durch eine Glasscheibe hindurch (und womöglich ohne jegliche Rückzugsmöglichkeit) von der Sonne "gebraten" werden und natürlich sollte auch Zugluft vermieden werden.

Tieren, denen eine Außenvoliere zur Verfügung steht, werden in der Regel genügend (Sonnen-)Licht und frische Luft bekommen und auch die Luftfeuchtigkeit wird meist ausreichend hoch sein. Bei ausschließlich in der Wohnung gehaltenen Papageien muss jedoch darauf geachtet werden, dass ggf. eine Tageslicht-Lampe zum Einsatz gebracht wird, um die Tiere mit genügend Helligkeit zu versorgen. Außerdem sollte regelmäßig gelüftet werden, wobei allerdings darauf zu achten ist, dass kein Durchzug entsteht.

Die Umgebungstemperatur sollte bei akklimatisierten Vögeln 15°C nicht unterschreiten und es ist auf eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit zu achten, um Schäden an den Schleimhäuten der Papageien zu vermeiden. 60% wären hier sicher gut; wenn wir jedoch davon ausgehen, dass Mensch und Tier dieselben Räume teilen, wird ein "Kompromisswert" etwa bei 50% liegen.